Farn's Quest
A Home of Secrets and Sorrow

Ein Märchen zum Einschlafen

Die vom Wind, der durch die Ritzen pfiff, aufgewirbelten Staubkörner glitzerten im Schein des Mondlichts wie Schneeflocken. Die Luft war kalt und feucht und roch nach modrigem Holz, altem Stoff und getrockneten Kräutern. Die Enge des Raumes war im Dunkeln körperlich spürbar, als wären die Wände im Schutz der Schatten näher herangerückt. Die Umrisse altersschiefer Möbel waren im schwachen Mondlicht zu erraten. Neben dem durch klapprige Läden verschlossenen Fenster lehnte ein schwerer Schrank an der Wand. Die Tür daneben hing lose in ihren Angeln, und durch den Spalt kleckerte spärliches, schmutziges Licht. Mitten im Raum kauerte eine Gestalt auf einem klapprigen Stuhl.

„Und so kam es, dass sie verschwanden und nimmer mehr gesehen wurden.“ Die alte, raue Stimme, deren raspelnder Klang die leise Melodie der Nacht zerfetzte, klang selbstzufrieden. „Doch…“ Ihr Ton wurde höher, fast etwas schrill. „Doch es sollte eine kommen, aus der anderen Welt, um sie wiederzufinden.“ Sie brach ab.

Im Dunkeln knarrte der Stuhl, während sich die gebeugte Silhouette vor und zurück bewegte, den Kopf weit nach vorne geneigt, als wäre die Person, zu der er gehörte, soeben im Sitzen eingeschlafen. Neben dem Stuhl, unter dem Fenster, waren die Umrisse eines kleinen Kinderbettes kaum zu erahnen. Aus seinem Inneren kam ein leises Krächzen.

Der menschliche Schatten im Stuhl fuhr auf.

„Ist ja schon gut!“, die alte Stimme klang beschwichtigend. „Ich erzähle weiter. Lass mich überlegen…“ Nur ein leises, stoßweises Atmen war zu hören. „Aber … sie scheiterte kläglich!“, die Stimme erhob sich, triumphierend. „Denn sie war nicht vorbereitet, sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte, und sie bestand nicht einmal ihre erste Prüfung! Ja, so war es.“ Wieder knarrte der Stuhl unter dem Vor- und Zurückschwanken der Silhouette. „Ja, so war es!“, wiederholte die Stimme, immer leiser werdend.

Aus dem Bettchen neben dem Stuhl kam ein zaghaftes Gegackere, bevor es wieder still wurde. Nichts regte sich mehr, auch das Knarren war eingeschlafen. Der Wind strich leise um das Haus, als wollte er die Bewohner mit seinem geflüsterten Lied in den Schlaf wiegen. Ein Uhu klagte in der Ferne, als plötzlich die Silhouette in sich zusammenzuckte.

„Sie scheiterte schon an ihrer ersten Prüfung!“, krächzte die Stimme in die Nacht hinein, als wolle sie verhindern, dass Missverständnisse aufkämen. „Sie scheiterte an der ersten Prüfung!“, wiederholte sie ein ums andere Mal. „Dafür hatte schon jemand gesorgt!“

Das Bettchen neben dem Stuhl erzitterte.

„Schschsch!“, flüsterte die Stimme, dann war es wieder still.

 

Anregungen zum Weiterreden

Ein Märchen zum Einschlafen...

Die vom Wind, der durch die Ritzen pfiff, aufgewirbelten Staubkörner glitzerten im Schein des Mondlichts wie Schneeflocken. Die Luft war kalt und feucht und roch nach modrigem Holz, altem Stoff und getrockneten Kräutern. Die Enge des Raumes war im Dunkeln körperlich spürbar, als wären die Wände im Schutz der Schatten näher herangerückt. Die Umrisse altersschiefer Möbel waren im schwachen Mondlicht zu erraten. Neben dem durch klapprige Läden verschlossenen Fenster lehnte ein schwerer Schrank an der Wand. Die Tür daneben hing lose in ihren Angeln, und durch den Spalt kleckerte spärliches, schmutziges Licht. Mitten im Raum kauerte eine Gestalt auf einem klapprigen Stuhl.


Anregungen: Nicht alle Fragen müssen besprochen werden, suchen Sie sich die aus, die Sie am interessantesten finden.

1)    Male die Szene. An welchen Wörtern orientierst du dich dabei?

2)    Stell dir vor, du befindest dich in einem solchen Raum. Wie würdest du dich fühlen? Kannst du erklären warum?

•  Die Stimmung ist düster: Der wind pfeift, Mondlicht, kalt und feucht, modriges Holz, es ist eng, es gibt Schatten, Schranktür hängt lose, wenig Licht und eine Gestalt die kauert, der Stuhl ist klapprig…

3)    „Staubkörner glitzerten im Schein des Mondlichts wie Schneeflocken“? Wieso steht da nicht einfach: Staubkörner glitzerten? 

•    -> damit man sich das besser vorstellen kann. 

•    Wie nennt man einen Satz, der mit wie zwei Dinge gegenüberstellt? 

•    -> Einen Vergleich. 

•    Welche Dinge kann man noch vergleichen? (Stützfragen: Jemand ist große wie _______, das alte Auto knattert wie ___________, die Nacht ist dunkel wie ___________)

4)    „durch den Spalt kleckerte spärliches, schmutziges Licht. Mitten im Raum kauerte eine Gestalt auf einem klapprigen Stuhl“ Was fällt in diesen Sätzen auf? 

•    Kleckert ist ein eigenartiges Wort für Licht, das erhöht die Aufmerksamkeit, und das Geräusch, beim Aussprechen des Wortes imitiert das Geräusch, das es beschreibt (Lassen Sie die Augen sckließen und sagen Sie hintereinander kleck, kleck, kleckerte und betonen Sie die Silben und die k und t Laute.). Das nennt man Lautmalerei. 

•    „spärliches, schmutziges“ -> beide Wörter beginnen mit einem Sch-Laut, das macht aufmerksam. Das nennt man Alliteration oder Stabreim.